Literatur

Der EMU-Stammtisch

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crazy
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Literatur

Beitrag von crazy »

Ausgewählte, gut geschriebene Essays, Texte und Geschichten, die nicht zwingend etwas mit Politik zu tun haben müssen (ich wusste nur nicht, wo man es sonst hätte unterbringen sollen- in ToT verschwindet es so schnell wieder), können hier hinein.

Ich mache mal den Anfang mit einer realitätsnahen, aber dennoch- oder gerade deswegen?- recht gruseligen Geschichte, bei NEON gefunden:

http://www.neon.de/kat/sehen/gesellscha ... 52579.html


Gute Darstellung der Angsthaltung der Gesellschaft und was voreilige Rachegelüste auslösen können...
Und meine Seele spannte
weit ihre Flügel aus
flog über alle Lande
als flöge sie nach Haus...

Joseph von Eichendorff
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drullse
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Re: Literatur

Beitrag von drullse »

Bedrückend aber leider wohl nicht sehr weit weg von der Realität.
Weiteratmen - DAS ist der Trick!!!
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crazy
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Re: Literatur

Beitrag von crazy »

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tobleroneman
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Re: Literatur

Beitrag von tobleroneman »

crazyviech hat geschrieben:Ausgewählte, gut geschriebene Essays, Texte und Geschichten, die nicht zwingend etwas mit Politik zu tun haben müssen (ich wusste nur nicht, wo man es sonst hätte unterbringen sollen- in ToT verschwindet es so schnell wieder), können hier hinein.

Ich mache mal den Anfang mit einer realitätsnahen, aber dennoch- oder gerade deswegen?- recht gruseligen Geschichte, bei NEON gefunden:

http://www.neon.de/kat/sehen/gesellscha ... 52579.html


Gute Darstellung der Angsthaltung der Gesellschaft und was voreilige Rachegelüste auslösen können...
habt ihr die kommentare unten auch durchgelesen?
was die wohl alle geraucht haben?
ich glaub ich könnt mit denen nicht lange an einem tisch sitzen :toblerone
you gotta fight for your right to paaaaarty
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crazy
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Re: Literatur

Beitrag von crazy »

Und meine Seele spannte
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crazy
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Re: Literatur

Beitrag von crazy »

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Re: Literatur

Beitrag von crazy »

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Nils
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Re: Literatur

Beitrag von Nils »

crazyviech hat geschrieben:Zettelwirtschaft.
Ui, da ich ja Lehrer bin, hat mich das sehr nachdenklich gemacht... :)
'Oranje-supporter lijdt in stilte en haalt nog een biertje
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crazy
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Re: Literatur

Beitrag von crazy »

In einem Hafen an einer westlichen Küste Europas liegt ein ärmlich gekleideter Mann in seinem Fischerboot und döst. Ein schick angezogener Tourist legt eben einen neuen Farbfilm in seinen Fotoapparat, um das idyllische Bild zu fotografieren: blauer Himmel, grüne See mit friedlichen, schneeweißen Wellenkämmen, schwarzes Boot, rote Fischermütze. Klick. Noch einmal: klick, und da aller guten Dinge drei sind und sicher sicher ist, ein drittes Mal: klick. Das spröde, fast feindselige Geräusch weckt den dösenden Fischer, der sich schläfrig aufrichtet, schläfrig nach seiner Zigarettenschachtel angelt. Aber bevor er das Gesuchte gefunden, hat ihm der eifrige Tourist schon eine Schachtel vor die Nase gehalten, ihm die Zigarette nicht gerade in den Mund gesteckt, aber in die Hand gelegt, und ein viertes Klick, das des Feuerzeuges, schließt die eilfertige Höflichkeit ab. Durch jenes kaum meßbare, nie nachweisbare zuviel an flinker Höflichkeit ist eine gereizte Verlegenheit entstanden, die der Tourist - der Landessprache mächtig - durch ein Gespräch zu überbrücken versucht. "Sie werden heute einen guten Fang machen."

Kopfschütteln des Fischers. "Aber man hat mir gesagt, daß das Wetter günstig ist." Kopfnicken des Fischers.

"Sie werden also nicht ausfahren?" Kopfschütteln des Fischers, steigende Nervosität des Touristen. Gewiß liegt ihm das Wohl des ärmlich gekleideten Menschen am Herzen, nagt an ihm die Trauer über die verpaßte Gelegenheit. "Oh? Sie fühlen sich nicht wohl?" Endlich geht der Fischer von der Zeichensprache zum wahrhaft gesprochenen Wort über.

"Ich fühle mich großartig", sagt er. "Ich habe mich nie besser gefühlt." Er steht auf, reckt sich, als wollte er demonstrieren, wie athletisch er gebaut ist. "Ich fühle mich phantastisch."

Der Gesichtsausdruck des Touristen wird immer unglücklicher, er kann die Frage nicht mehr unterdrücken, die ihm sozusagen das Herz zu sprengen droht: "Aber warum fahren Sie dann nicht aus?" Die Antwort kommt prompt und knapp.

"Weil ich heute morgen schon ausgefahren bin." "War der Fang gut?" "Er war so gut, daß ich nicht noch einmal ausfahren brauche, ich habe vier Hummer in meinen Körben gehabt, fast zwei Dutzend Makrelen gefangen."

Der Fischer, endlich erwacht, taut jetzt auf und klopft dem Touristen auf die Schulter. Dessen besorgter Gesichtsausdruck erscheint ihm als ein Ausdruck zwar unangebrachter, doch rührender Kümmernis. "Ich habe sogar für morgen und übermorgen genug!" sagte er, um des Fremden Seele zu erleichtern. "Rauchen Sie eine von meinen?"

"Ja, danke."

Zigaretten werden in Münder gesteckt, ein fünftes Klick, der Fremde setzt sich kopfschüttelnd auf den Bootsrand, legt die Kamera aus der Hand, denn er braucht jetzt beide Hände, um seiner Rede Nachdruck zu verleihen. "Ich will mich ja nicht in Ihre persönlichen Angelegenheiten mischen", sagt er, "aber stellen Sie sich mal vor, Sie führen heute ein zweites, ein drittes, vielleicht sogar ein viertes Mal aus, und Sie würden drei, vier, fünf, vielleicht sogar zehn Dutzend Makrelen fangen. tellen Sie sich das mal vor!"

Der Fischer nickt.

"Sie würden", fährt der Tourist fort, "nicht nur heute, sondern morgen, übermorgen, ja, an jedem günstigen Tag zwei-, dreimal, vielleicht viermal ausfahren - wissen Sie, was geschehen würde?"

Der Fischer schüttelt den Kopf.

"Sie würden sich in spätestens einem Jahr einen Motor kaufen können, in zwei Jahren ein zweites Boot, in drei oder vier Jahren könnten Sie vielleicht einen kleinen Kutter haben, mit zwei Booten oder dem Kutter würden Sie natürlich viel mehr fangen - eines Tages würden Sie zwei Kutter haben, Sie würden...", die Begeisterung verschlägt ihm für ein paar Augenblicke die Stimme, "Sie würden ein kleines Kühlhaus bauen, vielleicht eine Räucherei, später eine Marinadenfabrik, mit einem eigenen Hubschrauber rundfliegen, die Fischschwärme ausmachen und Ihren Kuttern per Funk Anweisung geben, sie könnten die Lachsrechte erwerben, ein Fischrestaurant eröffnen, den Hummer ohne Zwischenhändler direkt nach Paris exportieren - und dann..." - wieder verschlägt die Begeisterung dem Fremden die Sprache. Kopfschüttelnd, im tiefsten Herzen betrübt, seiner Urlaubsfreude schon fast verlustig, blickt er auf die friedlich hereinrollende Flut, in der die ungefangenen Fische munter springen. "Und dann", sagt er, aber wieder verschlägt ihm die Erregung die Sprache. Der Fischer klopft ihm auf den Rücken wie einem Kind, das sich verschluckt hat. "Was dann?" fragt er leise.

"Dann", sagt der Fremde mit stiller Begeisterung, "dann könnten Sie beruhigt hier im Hafen sitzen, in der Sonne dösen - und auf das herrliche Meer blicken."

"Aber das tu ich ja schon jetzt", sagt der Fischer, "ich sitze beruhigt am Hafen und döse, nur Ihr Klicken hat mich dabei gestört." Tatsächlich zog der solcherlei belehrte Tourist nachdenklich von dannen, denn früher hatte er auch einmal geglaubt, er arbeite, um eines Tages einmal nicht mehr arbeiten zu müssen, aber es blieb keine Spur von Mitleid mit dem ärmlich gekleideten Fischer in ihm zurück, nur ein wenig Neid.

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Anja
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Re: Literatur

Beitrag von Anja »

So ist es.

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12.10.2014 - München Marathon * 12.07.2015 - Challenge Roth * 27.09.2015 - Berlin Marathon *
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beeste
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Re: Literatur

Beitrag von beeste »

Anja hat geschrieben:So ist es.

Anja
Vorausgesetzt, der Fischer hat eine anständige Kranken- und Rentenversicherung... :roll:
"Ich bin bekannt für meine Ironie. Aber auf den Gedanken, im Hafen von New York eine Freiheitsstatue zu errichten, wäre selbst ich nicht gekommen."
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Der Elch
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Re: Literatur

Beitrag von Der Elch »

beeste hat geschrieben:Vorausgesetzt, der Fischer hat eine anständige Kranken- und Rentenversicherung... :roll:
Zu der Zeit war Deutschland noch ein Sozialstaat.
Wennst was machst, mach's gern. Machen mußt 'es eh!
(Dem Fritz Engelhardt seine Mutter)
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PeterMUC
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Re: Literatur

Beitrag von PeterMUC »

Danke Moritz für den schönen Text:
ich habe gerade mit meiner Frau besprochen, dass ich meine Arbeitszeit weiter reduzieren werde und im August unbezahlten urlaub nehme, damit ich den normalen Jahresurlaub noch für andere Dinge "verballern" kann.
Das ist mein Ernst, manchmnal braucht es nur einen kleinen Schups, um einen Stein ins Rollen zu bringen, ich werde jetzt ein wenig was aendern.
Du kannst aus einem dicken Schwein kein Rennpferd machen,
aber Du kannst versuchen, daraus das schnellste Schwein zu machen.
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Fastforward
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Re: Literatur

Beitrag von Fastforward »

PeterMuc hat geschrieben:Danke Moritz für den schönen Text:
ich habe gerade mit meiner Frau besprochen, dass ich meine Arbeitszeit weiter reduzieren werde und im August unbezahlten urlaub nehme, damit ich den normalen Jahresurlaub noch für andere Dinge "verballern" kann.
Das ist mein Ernst, manchmnal braucht es nur einen kleinen Schups, um einen Stein ins Rollen zu bringen, ich werde jetzt ein wenig was aendern.

Glück für den, dessen Arbeitnehmer sowas genemigt und die Arbeit das zuläßt. :roll:

Ich versuch seit fast zwei Jahren meine Wochenarbeitszeit incl. entsprechender Lohnanpassung zu reduzieren, no way. :kuebeln
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PeterMUC
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Re: Literatur

Beitrag von PeterMUC »

Ja ! ich weiss auch, dass das nicht jeder realisieren kann. Bei mir geht es auch nur, weil ich unsere Tochter als "sozialen Grund" vorschieben kann (Wegen Kinderbetreuung etc.) ich arbeite schon seit längerem reduziert, weil der KiGa so bekloppte Öffnungszeiten hat, jetzt werde ich nochmal 4h/Woche reduzieren, das kommt allen zugute, meiner Tochter, meiner Frau (die übrigens auch voll berufstätig ist) und auch mir.
Du kannst aus einem dicken Schwein kein Rennpferd machen,
aber Du kannst versuchen, daraus das schnellste Schwein zu machen.
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